Die Bankenkrise hat nicht nur die trendbewußten Verbraucher in der Londoner City hart getroffen. Hinzu kommt, das die Briten seit einem Jahr schon hart darüber debattieren, was an Bio-Lebensmitteln messbar und objektiv besser sei als an konventionellen. Die Wirtschaftskrise führte Mitte letzten Jahres zu empfindlichen Einbrüchen im Bio-Umsatz der Handelsketten: Im Schnitt über 18 %. Die unter Anleitung von Dr. Caroline Wiertz entstandene Studie Factors that Influence the Purchaise of Organic Food beruht auf der Auswertung von Verbraucherüberlegungen hinsichtlich des Preises und des gesundheitlichen Mehrwerts von Biolebensmitteln, umfangreichen Interviews mit Köchen, einem Konsumenten und einem Lebensmittellieferanten. Interessant ist, dass der signifikante Konsumrückgang in der Krise vor allem Bio-Obst und Bio-Gemüse betraf, wohingegen nach dem Eindruck von Dr. Wiertz der Bio-Fleisch- und Geflügelkonsum davon deutlicher betroffen war.
Die in der Studie Befragten zählten auf jeden Fall eher die den Bio-Anhängern. Sie sehen, wie die Menschen in allen europäischen Metropolen vor alllem, dass sie sich mit Bioprodukten etwas Gutes tun und
bescheinigen angesicht der hitzigen Diskussion in Großbrittanien Biolebensmitteln auch eine höhere Qualität. Dabei unterstreicht die Untersuchung, dass Bio-Lebensmittel für die Vebraucher verständliche Kennzeichnungen benötigen und besondere Verläßlichkeit ausstrahlen sollen. Der kritische Punkt im Biokonsum war im Krisenjahr 2009 für viele Briten der Mehrpreis für Bio-Lebensmittel. Im Unterschied zu den deutschen Verbrauchern beginnt die britische Preissensibilität auf einem hohen Niveau: Man läßt sich die eigenen Lebensmittel durchaus etwas kosten, aber man wird kritischer und man will sich sicher sein, dass man sich mit Biolebensmitteln wirklich etwas Gutes tut. Und gerade in einer Trend-Metropole wie London wird besonders deutlich, dass Bio inzwischen definitive den "Trend"- und "Schick"-Bonus verloren hat. Bio braucht entweder die Überzeugung, dass man diesen Lebensstil ohne weitere
Diskussion will oder das Wissen und die Sicherheit, dass Bio-Lebensmittel echte Mehrwerte gegenüber konventionellen Lebensmitteln besitzen. Insofern trifft die Motivsuche der Londoner Masterstudenten in den Kern der Biodiskussion. Bioprodukte sollten erkennbare Pluspunkte und Mehrwerte aufweisen, um zu überzeugen. Und sie sollten erschwinglich bleiben, um breitere Bevölkerungskreise zu erreichen. Und beides bleibt ein Spagat.